Poschner, Radulovic / Ferek-Petrić, Prokofjew, Brahms
| Nemanja Radulović |
violin
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| Markus Poschner |
conductor
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Josipovic/Fox
Musikalische Dialoge
Die 1982 in Zagreb geborene, in Wien lebende Komponistin Margareta Ferek-Petrić zeichnet sich in vielen ihrer Werke durch einen humorvoll-spielerischen Zugang aus, oft mit einem Anflug von Selbstironie. Charakteristisch für sie ist ein unbefangener, vorurteilsfreier Umgang mit unterschiedlichsten Themen. In »Reconstruction of a Rhapsode’s Mind« bezieht sich die ehemalige Intendantin der Musikbiennale Zagreb auf einen antiken Rhapsoden – einen wandernden Sänger, der epische Dichtungen vortrug. Platon hielt in seinem Dialog »Ion« ein Gespräch zwischen dem gleichnamigen Rhapsoden und Sokrates fest. Diese Idee bildet die Grundlage der Komposition.
Ferek-Petrić beschreibt sie als imaginären musikalischen Dialog »zwischen dem Bestehenden, Gesicherten, Bekannten und dem Abstrakten, Ungewöhnlichen, Experimentellen«. Dabei greift sie Klischees auf und unterläuft sie zugleich, versteckt und verschleiert Erinnerungen an berühmte Rhapsodien aus Klassik, Pop und Jazz. Zugleich stellt sie die Frage, welche Rolle ein Rhapsode heute spielen würde: Politiker, Popstar, Influencer?
Nach dieser zeitgenössischen Rhapsodie folgt ein Klassiker der Violinkonzertliteratur mit Nemanja Radulović als Solist. Der serbische Geiger ist für seine energievollen und leidenschaftlichen Interpretationen bekannt. Gemeinsam mit dem RSO widmet er sich einem seiner Lieblingskomponisten, Sergej Prokofjew. Dessen »Zweites Violinkonzert in g-Moll« verbindet emotionsgeladene, von Volksliedern inspirierte Melodien mit virtuosen Anforderungen und gehört zu Prokofjews Phase der »Neuen Einfachheit«. Seit seiner Uraufführung 1935 in Madrid ist das Werk ein fester Bestandteil des Repertoires.
Johannes Brahms schrieb seine Vierte Symphonie 1884/85 im steirischen Mürzzuschlag. Zunächst hielt er das Werk vor Freunden geheim, kündigte es dann jedoch begeistert dem Dirigenten Hans von Bülow an. Brahms dirigierte schließlich selbst die Uraufführung am 25. Oktober 1885 sowie weitere Konzerte mit dem Meininger Hoforchester. Die Symphonie wurde begeistert aufgenommen, auch von Richard Strauss, der sie als »von eminentem Schwung und Kraft, neu und originell« bezeichnete. Besonderen Eindruck hinterließ das Finale: eine Passacaglia mit 30 Variationen über ein Thema aus einer Bach-Kantate.
Marie-Therese Rudolph