Poschners Meilensteine / Bartók
| Markus Poschner |
conductor
|
Josipovic
Paradestück für alle Gruppen
»Man muss fort von hier!«, war Béla Bartók spätestens 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland klar, denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich »auch Ungarn diesem Räuber- und Mördersystem« ergebe. »Wie ich dann in so einem Lande weiterleben oder – was dasselbe bedeutet – weiterarbeiten kann, ist gar nicht vorstellbar.«
Nach dem Tod seiner Mutter wurde eine Konzertreise in die USA 1940 zum Sprungbrett in eine allerdings keineswegs bessere Zukunft im Exil. New York war für den von Heimweh verzehrten Menschen ein unerträglicher, furchterregender Moloch; schwere Depressionen und der rapide Verlauf seiner Leukämie-Erkrankung folgten.
1943 aber konnte der Dirigent Serge Koussevitzky die Lebensgeister des Komponisten mit einem Auftrag für das Boston Symphony Orchestra wieder wecken: Das »Konzert für Orchester« sollte Bartóks populärstes Werk werden, ein Paradestück für alle Gruppen – Holz- und Blechbläser, Saiten- und Schlaginstrumente.
Doch bei all dem mitreißenden Optimismus, den die Musik zuletzt verströmt: Im Zentrum des bogenförmig angelegten, fünfsätzigen Werks steht die tränenerstickte »Elegia«, und im »Intermezzo interrotto« wird die wehmutsvoll-noble Kantilene der Bratschen von einem trivialen Marsch niedergetrampelt. Welche Geheimnisse dieses großartige Werk noch birgt und welche Facetten an diesem weiteren Meilenstein der Musikgeschichte Bartók besonders am Herzen lagen, das verrät Markus Poschner an diesem Abend.
Walter Weidringer