Gastspiel Linz. Trinks, Kasarova / Rimski-Korsakow, Dvořák, Rachmaninow
Ouvertüre
Constantin Trinks |
conductor
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Vesselina Kasarova |
mezzo-soprano
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Barbara Aumüller

Kaum hatte sich Antonín Dvořák in den USA eingelebt, häuften sich die schlechten Nachrichten: Zum einen schlug die Wirtschaftskrise zu, sodass Jeannette Thurber, Dvořáks amerikanische Mäzenin, ihre Unterstützung des Komponisten zurückfahren musste, zum anderen erfuhr er vom Tod seines Vaters sowie seines Förderers Hans von Bülow. Dvořák litt unter Heimweh, und als er nun im "Buch der Psalmen" des Alten Testaments auf die Klage des Volkes Zions traf, erkannte er seine eigene Lebenslage wieder: "Als wir dort an den Wassern der Stadt Babylon saßen, wehklagten wir." In dieser Stimmung entstanden 1894 in New York die zehn "Biblischen Lieder" op. 99, die einen ganz anderen Ton anschlagen als das populäre F-Dur-Streichquartett und die Symphonie "Aus der neuen Welt". Dirigent Constantin Trinks und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien erarbeiten den Liederzyklus für das Linzer Brucknerhaus mit Vesselina Kasarova. Die bulgarische Mezzosopranistin wird seit drei Jahrzehnten in den großen Musikzentren der Welt gefeiert, regelmäßig gastiert sie an den Opernhäusern in Zürich und Wien, aber auch bei den Salzburger Festspielen.
Ähnliche Rahmenbedingungen wie Dvořáks Liederzyklus finden sich bei den "Symphonischen Tänzen" von Sergej Rachmaninow. Auch die "Tänze" gediehen in der amerikanischen Fremde, auch sie zählen zu des Komponisten letzten Werken. Und auch sie besitzen – dem munteren Titel zum Trotz – einen ernsten autobiografischen Hintergrund. So zitiert Rachmaninow am Ende des 1. Satzes aus seiner Ersten Symphonie, deren Erfolglosigkeit ihn seinerzeit in eine tiefe Krise gestürzt hatte. Den zweiten Satz gestaltet Rachmaninow als musikalisches Porträt seiner Heimat vor der Russischen Revolution, die ihn in die Emigration getrieben hatte. Im Finale trifft das Dies irae als Symbol für die Endlichkeit menschlichen Lebens auf das Hallelujah der orthodoxen Lithurgie. Ein Werk, das die Summe eines bewegten Lebens zieht. Stolz bezeichnete Rachmaninow es als sein bestes.
Mit Rachmaninows Hallelujah schlägt Constantin Trinks die Brücke zurück zum Anfang des Konzertes. Denn auch Nikolai Rimski-Korsakow greift in der Ouvertüre "Russische Ostern" auf Lobgesänge aus der russisch-orthodoxen Lithurgie zurück. In seiner ebenso kraftvollen wie sinnlichen Musik begegnen sich das Christliche wie das Heidnische des Osterfestes. Zarte Geigensoli münden in ein triumphales Finale. Religiöse Musik mit Eigensinn.
Christoph Becher