Poschner, Moreau / Lalò, Hindemith
aus der Oper "Le Roi d'Ys"
in d-moll
| Edgar Moreau |
cello
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| Markus Poschner |
conductor
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Josipovic/ICM Management
Von einer versunkenen Stadt und einem revolutionären Künstler
Tief unten am Meeresboden in der Bucht von Douarnenez im Westen der Bretagne soll die Stadt Ys liegen, versunken in einer Flutwelle – so erzählt es die Legende. Verursacht wurde die Katastrophe durch die gedemütigte Prinzessin Margared, die aus enttäuschter Liebe zu Mylio die schützenden Schleusen der Stadt geöffnet hatte. Noch heute, so sagt man, könnten die Fischer an ruhigen Tagen das Läuten der Kirchenglocken hören. Diese bretonische Geschichte liegt Édouard Lalos Oper »Le Roi d’Ys« (»Der König von Ys«) zugrunde. Die Ouvertüre zu diesem Werk hatte er bereits acht Jahre vor der Uraufführung der gesamten Oper fertiggestellt. Mit spätromantischem Pathos und dramatischem Gestus vermittelt die Musik eine Vorahnung des tragischen Schicksals, das der mythischen Stadt widerfahren wird.
Etwa zur selben Zeit, 1877, schrieb Lalo eines seiner bis heute – neben dem zweiten Violinkonzert, der »Symphonie espagnole«, – beliebtesten Werke, das »Cellokonzert in d-Moll«. Wie Mozart am 27. Jänner, allerdings im Jahr 1823 geboren, sind nur wenige Details über sein Leben bekannt. Aufgewachsen in einer Offiziersfamilie mit spanischen Vorfahr:innen, musste er sich seinen Weg zum Bratscher und Komponisten in Paris selbst finanzieren. Lalo komponierte das Konzert für den erfolgreichen Cellisten Adolphe Fischer. Darin gelang es ihm, höchste technische Anforderungen mit überzeugendem lyrischen Ausdruck zu vereinen.
Parallel zu seiner Oper »Mathis der Maler« schuf Paul Hindemith ein symphonisches Triptychon über den berühmten Isenheimer Altar aus dem frühen 16. Jahrhundert. Seine drei Sätze tragen die Titel der berühmten Altartafeln: »Engelkonzert», »Grablegung« und »Versuchung des heiligen Antonius«. Mit klaren Strukturen, Rückgriffen auf klassische Formen und kontrapunktisch ausgefeilten Fugen gilt die Symphonie als eines von Hindemiths zentralen neoklassizistischen Meisterwerken. Gleichzeitig wurde sie als klare politische Äußerung im Deutschland der 1930er-Jahre verstanden: Ein Künstler schließt sich den aufständischen Bauern an! Hindemith musste aus Nazi-Deutschland emigrieren, zu unangepasst waren seine Musik und seine Persönlichkeit.
Marie-Therese Rudolph