Gardolińska, Malofeev / Bacewicz, Saint-Saëns, Elgar
for large symphony orchestra
Variationen über ein eigenes Thema für Orchester op. 36
Malofeeva/Barczyk
Hommagen an Klänge, Bach und persönliche Freunde
Die Karriere der aus Warschau gebürtigen Dirigentin Marta Gardolińska begann in Wien. Hier studierte sie und besuchte Meisterklassen, u. a. bei der langjährigen Chefdirigentin des RSO, Marin Alsop. Als Stipendiatin beim Los Angeles Philharmonic Orchestra assistierte sie Gustavo Dudamel bei der mit einem Grammy ausgezeichneten Live-Aufnahme von Charles Ives’ Vierter Symphonie.
Erst kürzlich trat sie erstmals mit dem New York Philharmonic Orchestra und an der Opéra national de Paris auf; seit 2021 ist Gardolińska Musikdirektorin der Opéra national de Lorraine. Erstmals leitet Marta Gardolińska ein Abonnementkonzert des RSO. Ihre bisher einzige Zusammenarbeit mit dem Orchester liegt bereits einige Jahre zurück: 2014 dirigierte sie das Orchester im Rahmen ihrer Diplomprüfung. In dieser Saison kehrt die knapp 40-Jährige nun in den Großen Saal des Wiener Musikverein zurück und widmet sich einer Rarität: der Musica sinfonica in tre movimenti ihrer Landsfrau Grażyna Bacewicz aus dem Jahr 1965.
Diese war ein Multitalent: virtuose Pianistin und Geigerin, Komponistin und erfolgreiche Schriftstellerin. Nach abgeschlossenen Studien in Warschau ging sie nach Paris zu Nadia Boulanger und schloss sich den neoklassizistischen Komponist:innen an. Im Zweiten Weltkrieg kehrte sie nach Polen zurück, beteiligte sich nach 1956 an der Avantgardebewegung und erforschte das instrumentale Klangspektrum. Ihre »Musica sinfonica« wird ihrer »sonoristischen Periode« zugerechnet.
Ebenfalls mit der Musikstadt Paris in Verbindung steht die Entstehung des Zweiten Klavierkonzerts von Camille Saint-Saëns, denn dieses komponierte er für ein Konzert seines Freundes Anton Rubinstein. Dieser war vor allem als Pianist bekannt und wollte sich 1868 in Paris auch als Dirigent präsentieren. So spielte der Komponist selbst den Solopart bei der Uraufführung. Besonders markant ist der Beginn mit einer Solokadenz – eine Hommage an Johann Sebastian Bach.
Mit den »Enigma-Variationen« schuf Edward Elgar 14 Kurzporträts von Freund:innen, verklausuliert hinter kryptischen Titeln. Das kraftvolle Werk brachte dem Komponisten 1899 die längst verdiente Anerkennung und gilt als erstes symphonisches Meisterwerk der britischen Musikgeschichte.
Marie-Therese Rudolph