Meister / Beethoven, Martin, Strauss
Tondichtung für großes Orchester op. 40
"Da Beethovens Eroica bei unseren Dirigenten so sehr unbeliebt ist und daher nur mehr selten aufgeführt wird, componiere ich jetzt, um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, eine größere Tondichtung, Heldenleben betitelt (zwar ohne Trauermarsch, aber doch in Es-Dur, mit sehr viel Hörnern, die doch einmal auf den Heroismus geeicht sind)."
Bei kaum jemandem ist es so schwierig, die Grenze zu ziehen zwischen ernst gemeint oder doch als milder Witz gedacht wie bei Richard Strauss. Und ganz in diesem Sinne, weil es ihm oensichtlich auch selbst so ging, schrieb er nach der Uraufführung von »Heldenleben« und nach dem Aufkommen der Kritik, das Stück sei eine monströse Selbstverherrlichung an seinen Vater nur sehr vage, er, also Richard Strauss selbst, sei "nur teilweise" ident mit diesem Helden.
Über »Ein Heldenleben« von Richard Strauss aus 1898 ließe sich diesbezüglich viel erzählen, also über die vermeintliche oder echte Identifizierung des bekanntermaßen nicht unselbstsicheren Komponisten mit diesem Helden. Dass eine Geschichte – im ganz klassischen Sinn einer Narration – erzählt wird, ist klar und unwidersprochen. Die Titel der sechs Abschnitte mögen zwar gar nicht von Strauss sein, aber um Held und Gegner, Held und seine Frau, Held und seine Suche nach sich selbst geht es in jedem Fall. Das Schönste weil Widersprüchlichste an der ganzen Geschichte ist aber die Strauss’sche Verschränkung von zwei Titelfiguren, von Don Quixote und dem Helden, also der vermeintlich traurigen und der vermeintlich siegreichen Gestalt. Richard Strauss
schreibt an den beiden Werken gleichzeitig und verwebt schlussendlich in das Leben seines Helden eine entscheidende Menge Emotion und Themen seines Anti-Helden. Ein wahres Heldenleben.
(CS)