Metzmacher, Zimmermann / Mendelssohn, Wellesz, Berlioz
nach Shakespeares «Der Sturm»
Symphonie in 4 Sätzen mit einer Solo-Bratsche
| Tabea Zimmermann |
Viola
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| Ingo Metzmacher |
Dirigent
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Borggreve/Camilo
Britische Dichtkunst: MIt Lord Byron und Shakespeare
Werke der beiden großen britischen Dichter William Shakespeare und Lord Byron liegen den drei Kompositionen dieses Konzerts zugrunde: Der erst 17-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy hatte Shakespeares »Sommernachtstraum« in August Wilhelm Schlegels deutscher Übersetzung kennengelernt und war fasziniert von der turbulenten Komödie. Sie spielt in einem zauberhaften Wald rund um ein Elfenpaar, eine unbeholfene Handwerkertruppe und natürlich den schelmischen Kobold Puck, der mit seinem Liebeszauber für Chaos sorgt. Um sich ganz auf seine künstlerische Arbeit einzulassen, verbrachte Mendelssohn im Sommer 1826 viel Zeit im Garten, um »zu träumen und zu komponieren«. Ein inspirierender Ort – denn die Ouvertüre zum »Sommernachtstraum« war in nur vier Wochen vollendet.
Über einen weit längeren Zeitraum hinweg beschäftigte den österreichischen Komponisten und Musikwissenschaftler Egon Wellesz Shakespeares »Der Sturm« für sein Orchesterstück »Prosperos Beschwörungen op. 53«. Daran arbeitete er zwei Jahre lang, zwischen 1934 und 1936. In fünf Sätzen erzählt Wellesz mit eindringlichen Themen und anschaulicher Instrumentierung von Prospero und seiner Tochter Miranda, vom Luftgeist Ariel und von Caliban sowie von dem magisch herbeigeführten Sturm, der den verfeindeten Bruder stranden lässt. Auf Rache verzichtet Prospero – und die Handlung endet mit der glücklichen Verlobung seiner Tochter. Ganz so glücklich verlief Wellesz’ eigenes Leben allerdings nicht: Knapp einen Monat nach dem Uraufführungserfolg im Februar 1938 in Wien dirigierte Bruno Walter den »Prospero« auch in Amsterdam – am Tag des Anschlusses Österreichs an Hitlerdeutschland. Wellesz war mitgereist und kehrte nicht mehr in seine Heimat zurück, sondern emigrierte nach England.
Der virtuose Geigenstar Niccolò Paganini gab bei Hector Berlioz ein Bratschenkonzert in Auftrag. Doch das viersätzige Werk mit Solo-Bratsche »Harold in Italien« entsprach nicht seinen Erwartungen – zu symphonisch erschien ihm die Anlage, um als Solist zu brillieren. Berlioz hatte sich dabei von Lord Byrons Versepos und von eigenen Reiseerlebnissen in Italien inspirieren lassen. Die Bratschenstimme verkörpert den Wanderer Harold, ein melancholisches Alter Ego Berlioz’, das durch die pittoreske Landschaft der italienischen Abruzzen zieht.
Marie-Therese Rudolph