Pascal, Gillam / Zimmermann, Debussy, Strawinsky
Musik zu einem Bankett bei König Ubu. Ballet noir en sept parties et une entrée
Ballett in zwei Bildern
| Jess Gillam |
Saxophon
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| Maxime Pascal |
Dirigent
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Decca Classics/C. Nieto
Bunte Vögel
Der Zarewitsch Ivan gerät auf der Jagd in den Garten des unsterblichen Zauberers Kaschtschei und fängt den dort lebenden Feuervogel. Zum Dank dafür, dass Ivan ihn wieder freilässt, schenkt ihm das wundersame Tier eine seiner magischen Federn. Kaschtschei hält auch Prinzessinnen gefangen, und Ivan verliebt sich in eine von ihnen. Die Dämonen erwachen und rufen den Zauberer herbei. Ivan sieht dem Tod ins Auge, doch im letzten Moment schwingt er die Feder: Der Feuervogel erscheint, zwingt die Dämonen mit seiner magischen Musik zu einem infernalischen Tanz und wiegt die bösen Mächte schließlich mit einem Wiegenlied in den Schlaf. Mehr noch: Er führt Ivan zu jenem Ei, in dem Kaschtschei seine Seele verborgen hält. Ivan zerschlägt es – der Zauberer stirbt, sein Reich vergeht, die Prinzessinnen sind frei.
Mit dem für Sergej Diaghilev und dessen Ballets russes komponierten »Feuervogel« begründete Igor Strawinsky seinen internationalen Ruhm. Das irdische Dasein Ivans und der Prinzessinnen wird mit folkloristisch-diatonischen Mitteln geschildert, denen die chromatisch gefärbten Zauberwesen kontrastierend gegenüberstehen: hier der gute Feuervogel in schillernden Farben, geprägt von Ganztonfolgen und flirrenden Höhenklängen von Streichern, Celesta und Xylophon; dort der böse Kaschtschei mit verminderten Akkorden, grellem Holz und bedrohlichen Invektiven des tiefen Blechs.
Auf ganz eigene Weise farbenreich ist Bernd Alois Zimmermanns 1966 entstandene, grotesk-komische »Musique pour les soupers du Roi Ubu«, im Untertitel »Ballet noir«: Am Hofe des Königs Ubu, wie ihn Alfred Jarry für sein 1896 uraufgeführtes absurdes Theaterstück ersann, erklingt als Tafelmusik ein kunstvoll arrangiertes Sammelsurium von Zitaten quer durch die Epochen – von der Renaissance bis zu Karlheinz Stockhausen. Dazu stellt Maxime Pascal bei seiner Rückkehr ans RSO-Pult Claude Debussys »Rhapsodie für Altsaxophon und Orchester«: ein vom Komponisten ungeliebtes Gelegenheitswerk, das dennoch pittoresken Zauber entfaltet. Solistin ist die junge Britin Jess Gillam.
Walter Weidringer