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Alsop, Lyons, Appleby, Schuen / Britten War Requiem

Fri., 11.06.2027, 19:30 h
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Wiener Konzerthaus, Vokalklang
Benjamin Britten: War Requiem op. 66 (1962)
Live in Ö1, Fri., 11.06.2027, 19:30 h
© 

Horowitz/Machreich Artists/Koestlin/Geiger

Alsop Lyons Appleby Schuen

»War Requiem«

»But the old man would not so, but slew his son,/And half the seed of Europe, one by one«: Es ist vielleicht die schlimmste Szenerie in der Lyrik von Wilfred Owen, diesem bedeutenden literarischen Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs, der 1918 im Alter von 25 Jahren fiel. Das Original ist aus der Genesis bekannt: Abraham rüstet sich, Gottes unsägliche Forderung zu erfüllen und seinen Sohn Isaak zu opfern. Doch der Himmel gebietet ihm Einhalt und rettet den Jüngling. Vielfältig wurde dieses Geschehen gedeutet – von der historischen Überwindung des Menschenopfers über die Beschneidung bis hin zu (Kreuzes-)Tod und Auferstehung. Bei Owen jedoch verwandelt sich der alte Mann in die Bestie des Krieges und lässt sich nicht aufhalten: Er schlachtet den Sohn und mit ihm »die halbe Saat Europas, einen nach dem anderen«.

In seinem 1962 uraufgeführten »War Requiem«, das den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist, verbindet Benjamin Britten die lateinische Totenmesse mit Gedichten von Wilfred Owen. Diese werden vom Tenor und Bariton vorgetragen und schildern eindringlich das Grauen des Krieges. Besonders eindrucksvoll ist die Szene um Abraham und Isaak, die die beiden Solisten im Duett singen, begleitet von zarten Harfen- und Streicherklängen. Dem folgt scharf gezeichnete Dramatik im Orchester, während aus der Ferne der Kinderchor mit dem „Hostias“ einen ruhigen, beinahe entrückten Gegenklang bildet.

Die kunstvoll-vielsagende, beziehungsreiche Mehrschichtigkeit von Brittens Partitur verblüfft und berührt immer wieder: der Zusammenprall von Glauben und Verzweiflung, von Heilsversprechen und unmenschlichem Leid, von der Kriegsmaschinerie im »Dies irae«, die im Siebenvierteltakt wild stampft und hinkt, bis hin zu der insgesamt dreimal erklingenden, transzendentalen Chorkadenz, die das letzte Wort behält. Aus dem teuflischen Tritonus C–Fis führt sie in den Pianissimo-Frieden von F-Dur. Ein namhaftes Soloterzett, in dem die Wiener Sängerknaben und die Wiener Singakademie zum RSO Wien unter der Leitung von Marin Alsop stoßen, um gemeinsam der Toten zu gedenken und künftiges Leid anzuprangern.

Walter Weidringer

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